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CRASH DIET@ WOA 2011

Verfasst von metalsteini am

Datum: 
06.08.11
Veranstaltungsort: 
Wacken Open Air
Verfasser: 
Patricia Klöppel

Der Wackensamstag, 13 Uhr. Zwischen all den einheitlich in Bandshirts, schwarzer Hose und Stiefeln gekleideten Metallern, welche teilweise noch verhangen, verkatert oder schon wieder halbwegs lebendig über das Festivalgelände huschen, findet sich vor der True-Stage ein kleiner Pulk aus toupierten Haaren, Cowboystiefeln, zerrissenen Leoleggins und Zebratops mit Glitzerapplikationen wieder.
 
Auch wenn der Glamrock und sein auffälliger Style zur Metalszene gehören – Aufsehen erregend war das kleine Völkchen allemal, doch wer spielte, dass sich so viele sich um die für ein Festival doch recht frühe Uhrzeit vor die Bühne stellten?
Die Antwort lautet: CrashDiet, eine recht junge schwedische Glamrock/Sleazeband, denen nachgesagt wird,dass sie durch ihre von Skid Row, Guns n’Roses  und W.A.S.P beeinflusste Musik  die „New Wave of Swedish Sleaze Rock“ ausgelöst haben und der Glamrockszene ein gänzlich neues Gesicht gegeben haben.
Nicht ganz unschuldig an ihrem Erfolg und ihrem Bekanntheitsgrad ist die Bandgeschichte.
So hat der erste Sänger der Band, Dave Lepard, mit dem sie das Album „Rest in Sleaze“ (2005) aufgenommen hatten, sich im Jahre 2006 im Alter von nur 25 Jahren das Leben genommen. Die drei verbliebenen Mitglieder entschieden sich weiterzumachen, und so wurde Oliver Twisted (auch bekannt als Oli Hermann), der derzeitige Sänger von Reckless Love, das neue Mitglied mit dem sie das Album „The Unattractive Revolution“ produzierten.
Aufgrund diverser Differenzen zwischen den Bandmitgliedern dauerte die Zusammenarbeit zwischen ihnen allerdings auch nur ein einziges Album – und so wurde im Jahre 2009 der Schwede Simon Cruz der neue Sänger von CrashDiet, das sehr erfolgreiche Album „Generation Wild“ folgte ein Dreivierteljahr später.
Einige Europatouren später, unter anderem mit Hardcore Superstar und The 69 Eyes, fand sich das Quartett auf der Wackenbühne wieder, um beim größten Heavy Metal-Festival der Welt den Fans ordentlich einzuheizen.
Pünktlich um 12.45 sind nicht nur die Jungs (begleitet von tosendem Applaus und viel Mädchengekreische – sie machen halt nicht nur gute Musik, sie sehen eben auch aus wie aus einem Rockstar-Katalog entsprungen) sondern auch ein kleiner Regen zur Stelle – letzterer jedoch schien es sich nach dem ersten Lied anders überlegt zu haben und verschwand zügig wieder.
Die 4 Jungs waren richtig guter Stimmung und haben ihr Spiel sichtlich genossen. Sänger Simon Cruz tobte, wirbelte und sprang auf der Bühne umher, dass man sich wunderte, woher er den Atem zum Singen nahm und auch die anderen Mitglieder rockten wie sie nur konnten – womit sie fitter als ihre Fans waren.
Der Zustand der Masse ließ sich leicht beschreiben – schlicht und einfach als verkatert und übermüdet – wir schrieben ja schließlich schon den letzten Festivaltag.
Simon versuchte noch, seine Zuschauer mit einer kleinen Rede aufzurütteln „I know you’re hungover, but it’s a brandnew day! A brandnew day to freak out and to damage brain cells!!”, doch viel bewirkte das leider nicht.
Die Jungs allerdings ließen sich davon nicht schocken und zogen weiter ihr Ding durch – mit kleinen Feuerfontänen und einem Frontmann der auf sämtlichen Bühnenteilen rumturnte – ich möchte mich gar nicht daran erinnern, wie viele Mädchen plötzlich dachten er würde die erste Reihe besuchen kommen und daraufhin nach vorne stürmten.
Doch nach 20 Minuten war die Bühne auf einmal komplett leer. Was war das? Schon zu Ende? Kann doch gar nicht sein .. oder? Aber die haben doch noch gar nicht "Generation Wild" und "Riot in Everyone" gespielt?
Ein Röhren ertönt und Simon, ganz der Klischeerockstar, fährt mit einem Chopper auf die Bühne, gefolgt vom Lied „I’m a Rebel“ während Gitarrist Martin Sweet und Drummer Eric Young einfach mal die Instrumente tauschten und Bassist Peter London die Fanmassen mit reichlich Pleks versorgt.
Viel zu schnell ging der Auftritt vorbei, und auch wenn Simon leichte Schwierigkeiten hatte, seinen Chopper genauso elegant und cool von der Bühne zu fahren wie er es hingefahren hat, so wurde er dabei wenigstens von Gejubel begleitet.
Zu der Qualität der musikalischen Leistung gibt es verschiedene Stimmen. Während einige CrashDiet live lieben, wird von anderer Seite u.A. Simons stimmliche Leistung kritisiert, weil er die alten Sachen von Dave Lepard nicht 100% sauber singt und sie teilweise auf seine Stimmlage abändern muss.
 
Fazit: Trotz der teilweise berechtigten Kritik an Simon Stimmvolumen in Bezug auf die alten Sachen machen die Jungs Spaß, sind mit Vollblut bei der Sache, können die Masse mitreissen, machen eine gute Show und lassen sich auch nicht von einem trägen Publikum aufhalten. Weiter so!