Geschrieben von: Astrid Reich Freitag, 28. Mai 2010 um 10:52 Uhr
Pfingstwochenende
= Rock-Hard-Festival. Doch die Saarländer kennen da nichts und stellen (nun schon zum 5. Male) zeitgleich ihr eigenes Event mit dem Saarbangers Metal-Festival auf die Beine. 13 Bands an zwei Tagen, wobei wir uns lediglich den Samstag vorgenommen hatten.
Bei der Ankunft gegen 17:30 Uhr waren bereits die bundeslandheimischen MALOIK in „Powerwolf-Manier“, sprich mit seitlich aufgestellten Bannern und Föhn vom Bühnenrand, zu Gange. Immerhin kam durch die unentwegt wehenden Haare der Saitenfraktion etwas Bewegung in die ganze Bühnenpräsentation, denn der singende Frontmann wirkte stocksteif und noch war vom Anheizen im Oberbexbacher Volkshaus nicht so richtig was zu spüren.
Im Anschluss folgten HELLOWED, ebenfalls aus dem Saarland, die einige Coversongs in ihrem Repertoire hatten und zum Teil gar nicht mal so schlecht klangen. Jedoch trieb es mir bei „Rainbow In The Dark“ dann doch die Tränen in die Augen, allerdings nicht im Gedenken an unseren ins Rock-Nirwana gegangenen Metal-Gott Dio, sondern aufgrund der miserablen Sangesqualität. Logisch, an diese Ausnahmestimme kommt kaum jemand ran, aber gerade, wenn man so gar nicht annähernd die Stimme dafür hat: Bitte, bitte, nur die Songs ANspielen – damit der Begriff „Trauerspiel“ hier nicht eine andere Betrachtungsweise erhält.
Da das Essensangebot vor Ort sich lediglich auf Bratwurst beschränkte (und ich mir eine solche bereits mittags vor Fahrtantritt auf die Schnelle zu Gemüte geführt hatte), verzogen wir uns zwecks Beseitigung knurrender Mägen in ein nahe gelegenes italienisches Restaurant, um der dort anwesenden sonoren Gesellschaft mal vor Augen zu führen, dass schwarz gekleidete Metalfans (von denen die männlichen Personen sogar längere Haare hatten als die weiblichen!) sich doch durchaus auch in einer solchen Umgebung zivilisiert benehmen können (ja, sie können sogar mit Messer und Gabel essen) … Damit fielen allerdings die mit einer Frontfrau versehenen URIEL’S WINGS einer Begutachtung zum Opfer.
Dafür waren wir pünktlich zum nächsten Act mit DRAGONSFIRE aus Hessen wieder zurück. Die Halle sah inzwischen auch schon etwas gefüllter aus, und trotz der (durchweg den ganzen Abend ständig auftauchenden) Probleme mit dem Mischer sah man dem Vierer ihren Spaß auf der Bühne an. Sänger-Röhre Thassilo kommunizierte auf seine sympathische Art mit dem Publikum, Matthias zeigte an der Gitarre, dass die Post abgeht, und Drummer Jan machte wie üblich aus dem Hintergrund seine Späßchen. So orderte er lautstark: „Wo bleibt mein gottverdammter Äppler?“ (Anmerkung: Hessisches Nationalgetränk) und ließ sich nach dem Auftritt („Ich will das auch mal machen“) von der Bühne in die Hände der Fans fallen. Ansonsten gab es ein vielfältiges Programm: Vom im August erscheinenden neuen Album „Metal Service“ wurde ein Song vorgestellt; ein Iron-Maiden-Cover stimmungssteigernd zum Besten gegeben; die berühmt-berüchtigte „Pommesgabel“ kam zum Einsatz, und so wurde mit Songs wie „Burning For Metal“ und „Dragonsfire Rockxxx“ 50 Minuten powergeladen gerockt.
Nach kurzer Umbaupause ging es in diesem Stil weiter mit Besuch aus dem nicht weit entfernten Nachbarland Frankreich. HEAVY AND LOUD nennen sich die fünf Gesellen, die mit einer guten Heavy-Power-Metal-Mischung ihrem Namen alle Ehre machten. Stimmungsmäßig wurde das erreichte Niveau leicht gehalten, und so lieferten die Franzosen ein gutes Programm ab, wobei als Überraschungseinlage Sänger Mike bei einigen Songs als dritter Gitarrist agierte. Das kam schon ordentlich fett rüber!! Gerne hätte das Publikum noch mehr gehört, wie man den lautstarken Zugabe-Rufen am Schluss entnehmen konnte.
Aber nun wurde die Bühne für den (eigentlichen?) Headliner des Abends hergerichtet: Die Lokalmatadoren MESSENGER hatten einen Live-Mitschnitt für ihre DVD angekündigt, und dementsprechend tummelten sich dann auch tatsächlich auf einmal ca. 150 Leute dicht vor der Bühne. Den Bandmitgliedern selbst merkte man die für die Live-Aufnahmen zugeschnittene, d.h. auf mich etwas zu übertrieben wirkende Show an. Es wurde gepost und sich ordentlich ins Zeug gelegt. Zudem sah sich die Band veranlasst, mehrere Laudatios zu verkünden: Ein Fan aus England wurde mit einer Medaille „geehrt“; Bandmanager, Helfer der Veranstaltung sowie mehrere anwesende Vertreter diverser Online-Magazine bzw. Webradios wurden auf die Bühne gebeten und ihnen für ihre tatkräftige (ehrenamtliche) Unterstützung gedankt …. Wäre sicherlich auch ein lobenswerter Zug gewesen, wirkte aber (man denke an die Filmkamera) doch alles sehr aufgesetzt – und kostete vor allem jede Menge Zeit, die zu Lasten des (eigentlichen!) Headliners des Abends ging, STORMWARRIOR, die extra aus Hamburg bis runter ins Saarland gekommen waren. MESSENGER hingegen spielte unbekümmert ihr Set (mittlerweile jedoch vor einem um mehr als 2/3 dezimierten Publikum), gab ihre nicht enden wollenden Zugaben – und das bis gegen Mitternacht, obwohl laut Running Order um 23:15 Uhr bereits die letzte Band hätte auf der Bühne stehen sollen. Mit Verlaub gesagt: „Unfair“ für ein solches Gastgeber-Verhalten ist meines Erachtens nur ein sehr harmloser Ausdruck.
STORMWARRIOR jedoch zeigten Größe. Ohne sich anmerken zu lassen, wie deprimiert sie in Anbetracht der späten Stunde und der nur noch vorhandenen Handvoll Leute gewesen sein mussten, rockten sie gegen 0:25 Uhr los, ohne viel Zeit mit langem Gelaber zu verlieren (soweit es der es noch immer nicht auf die Reihe kriegende Mischer zuließ). Powergeladen zeigten die Norddeutschen ihre straighte Marschrichtung an, nämlich „Heading Northe“. Und die Fans vor der Bühne dankten es ihnen! Die Stimmung, die die paar Leute verbreiteten, war bald größer als zuvor, als die Halle noch bevölkerter war, nicht zuletzt auch das Resultat der geilen musikalischen Darbietung on stage. Schließlich enterten sogar vier Headbanger die Bühne, um neben der Band mit zu performen, was ihnen auch gut gelang. Sogar das Mikro wurde ihnen zeitweise überlassen; textsicher sorgten sie mit für ausgelassene Stimmung. Leider war, was vorauszusehen war, der Auftritt um die Hälfte der Zeit gekürzt. Nach 50 Minuten folgte eine Zugabe in Form von „Under Jolly Roger“, und dann wurden die Segel gestrichen. Wirklich sehr schade!
Noch eine Randbemerkung am Ende, nur so zum Nachdenken: Da werden stellenweise Bedenken gegen die Songtexte von Sabaton erhoben, die Storys vom und um Geschehen diverser Kriege erzählen. Wer macht sich eigentlich Gedanken bei einem Songtitel wie „Kill The DJ“? … In mir lässt diese mehrstimmig erwiderte „Aufforderung zum Mord“ doch weitaus eher ein mulmiges Gefühl aufkommen ….
Astrid Reich