ROCK HARD FESTIVAL - Amphitheater Gelsenkirchen,21.05.-23.05.10

Kurzfristig den Weg zum Rock Hard-Festival gefunden kann ich zumindest einen Teil vom Samstag und den Sonntag besprechen.Ein dickes Danke an Götz der mir das noch kurzfristig ermöglichen konnte!

Wir sind pünktlich zum ACCEPT-Gig auf dem Gelände aufgeschlagen und ich habe mich schon auf einen Verriss eingestellt.ACCEPT ohne Udo Dirkschneider?Das geht doch mal gar nicht, wenn man sich an das misslungene Experiment "Eat The Heat" mit David Reece erinnert.Und wisst ihr was?Es geht! Es funktioniert sogar bestens.Die 2 neuen Songs "Teutonic Terror" und "The Abyss" überzeugen schon mal und auch bei den Klassikern agiert Neu-ACCEPT´ler Mark Tornillo als wenn er schon immer zum Line-Up gehört hätte. Das ACCEPT mit dem neuen Line-Up sogar überzeugender,spielfreudiger als noch beim letzten Reunionversuch mit Udo wirken, bescheinigen mir auch alle Befragten vor Ort. Bestens!

KREATOR sind zwar immer für ne Party gut und lassen auch nix anbrennen, aber der Verfasser dieser Zeilen ist dermaßen vom ACCEPT-Gig geplättet, das ich mir gewünscht hätte, dass der Headlinerposten zumindest für heute an ACCEPT gegangen wäre. Toppen können es die Essener Thrash-Urgesteine zumindest für mich heute nicht mehr, obwohl routine-, und qualitätsmäßig auch bei Mille und Co. alles im grünen Bereich ist.

Der Sonntag fängt für uns mit CRASHDIET an.Poserrock im Stile von Mötley Crüe wird in aller Konsequenz inklusive einer Tonne Taft-Spray von der Oma daheim auf dem Kopp zelebriert.Musikalisch gibt es nix zu mäkeln, außer das der Gitarrensound ein bisschen dünn daherkommt.

VIRGIN STEELE sind auch ohne Opernsaal mit dem Classic-Metal-Set eine Ohrenweide.Eines der Highlights heute.Die Setlist hatte vieles, aber nicht alles zu bieten...wo war "We rule the Night"???Aber trotzdem den Dicken Daumen nach oben für David DeFeis.

NEVERMORE im Anschluß sind wie immer eine Bank und überzeugen.Jammern auf hohen Niveau ist angesagt insofern das die neuen Songs wie "Emptiness Unobstructed" Melodien hat wie das aktuelle Warrel Dane Soloscheibchen, insofern fällt die Abgrenzung gegenüber der Hauptband etwas schwer.Aber für solche Songs würden andere Bands mindestens den kleinen Finger hergeben.Aber allein "The Heart Collector" und "Born" beweisen schon warum NEVERMORE da sind wo sie sind, nämlich an der Spitze der US-Power Metal-Bands.

Vielleicht etwas unglücklich gewählt ist die Position im Billing von SONATA ARCTICA. Einerseits durchaus kommerziell erfolgreich, können sie aber heute nicht den Anspruch erfüllen, Bands wie NEVERMORE im Vorfeld in die Schranken zu weisen.Eine andere Setlist mit mehr Klassikern der Band vor NEVERMORE hätt sicherlich besser funktioniert.So war es einfach nur die Überbrückung heute zum heutigen Headliner RAGE inklusive Orchester.Spaß in der langen Umbaupause brachten die Allzweckpartywaffe MAMBO KURT und der Gewinner der Karaokesession, der "Aces High" schmettern durfte.

Beim heutigen Headliner RAGE häuften sich im Vorfeld die Probleme: Das angestammte Orchester konnte aus Visatechnischen Gründen nicht spielen und so musste ein lokales Orchester aus Dortmund ran.Obendrein hatte man Probleme die helfenden Hände beim Umbau in optimaler Zahl zur Verfügung zu stellen. Trotzdem schaffte man es einen Gig auf die Beine zu stellen, der das Prädikat "Headliner" verfdient hatte. Zwar war die orchestrale Begleitung manchmal arg leise, aber dennoch war es schön auch die aktuellen von Viktor Smolski arrangierten neueren Klassiksuiten im dafür vorgesehenen Gewand erleben zu dürfen.Klassiker wie "Higher than the Sky" markieren einen würdigen Abschluß eines tollen Festivals.

Kleine Kritikpunkte gibt es dennoch:

- die fehlende Möglichkeit, seine Leute auf dem Campingplatz besuchen zu können ohne das Campingbändchen

-keine Geldautomaten auf dem Gelände

Mehr hat uns nicht gefehlt und das Rock Hard-Festival ist qualitativ eines der besten, nicht nur in Deutschland geworden und so ist Live4rock.de auch nächstes Jahr vor Ort, dann hoffentlich von Anfang an.

 

Thorsten Steinebach